
Der Neubau des Seminargebäudes der Technischen Universität Dresden ist Bestandteil des Forstbotanischen Gartens Tharandt und befindet sich im Nordamerika-Revier des ForstPark Tharandt. Das Gebäude wurde unmittelbar östlich des bestehenden Rundwegs zwischen der Mammutbaumpflanzung und der Teichlandschaft angeordnet. Der Standort ermöglicht sowohl die unmittelbare Erfahrung der Waldvegetation als auch einen guten Überblick über die Gesamtanlage und lässt sich über die bestehende Wegeführung erschließen.
Der Seminarbereich im Erdgeschoss wird vom Rundweg aus über ein kleines Foyer erschlossen und umfasst einen Seminarraum sowie ein barrierefreies Gäste-WC. Auf der Südseite befinden sich die Zugänge zum Außengerätelager und zur Werkstatt. Dieser Wirtschaftsbereich ist funktional vollständig vom Seminarbetrieb getrennt. Angrenzend liegen der Datenserverraum der TU Dresden sowie der Elektroverteilerraum. Über einen kurzen internen Verbindungsflur an der Südfassade sind der Vorbereitungsraum und der Seminarraum erreichbar.
Die Mitarbeiterräume im Obergeschoss besitzen einen separaten Zugang an der westlichen Giebelseite und werden über eine einläufige, offene und unbeheizte Außentreppe erschlossen. Das Raumprogramm umfasst einen Pausenraum mit Teeküche, einen Umkleidebereich sowie Sanitäranlagen mit Duschen und WCs für mindestens sechs Mitarbeitende. Ein Samenlager ist platzsparend als Einbauschrankzone im Flurbereich integriert. Ergänzt wird das Obergeschoss durch einen Trockenraum und die Technikzentrale.
Das Gebäude wurde konsequent aus regionalen und natürlichen Baustoffen errichtet, insbesondere aus lokalem Holz nach dem Prinzip „Holz von Hier“. Die verwendeten Holzbaustoffe stammen überwiegend aus dem Tharandter Wald und von Sachsenforst. Verarbeitung und Einbau erfolgten durch regionale Sägewerke sowie ortsansässige Zimmerei- und Tischlereibetriebe. Die sichtbaren Holzoberflächen der Fassade und der Innenausbauten wurden einheitlich offenporig und wartungsarm behandelt. Zum Einsatz kam ein pigmentiertes Holzöl, das eine hohe Lebensdauer unterstützt, die natürliche Alterung gezielt ermöglicht und gleichzeitig die Materialität des Holzes sichtbar erhält.
Auch die Gebäudetechnik folgt einem Low-Tech-Konzept mit einem reduzierten Einsatz technischer Anlagen bei gleichzeitig hohem Nutzerkomfort. Auf eine mechanische Lüftungsanlage wird verzichtet. Individuell bedienbare Lüftungsflügel ermöglichen Querlüftung und Nachtauskühlung und stellen die erforderlichen Luftwechselraten sicher. Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Luft-Wärmepumpe in Verbindung mit einer niedertemperierten Fußbodenheizung.
Damit verbindet das Seminargebäude regionale Wertschöpfung, materialgerechtes Bauen und einen energieeffizienten Betrieb zu einem ganzheitlich nachhaltigen Hochschulgebäude.
Bauherrschaft: Freistaat Sachsen, vertreten durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Niederlassung Dresden II
Architektur: BURUCKERBARNIKOL Architektur BDA
Statik: IBB Ingenieurbüro Baustatik Bautechnik Wilhelm & Zobel PartG mbB
Brandschutzplaner: hartmann » Ingenieurbüro für Brandschutz
Haustechnik: Ingenieurbüro Thomas Krause
Nutzungsfläche (NUF): 250 m²
Fertigstellung: 2026
Fotos: Till Schuster